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CeBIT 2015 – wichtig für Profis, interessant für Konsumenten

Ja, früher, als alles noch besser war, führte an der CeBIT kein Weg vorbei. In den Achtziger- und Neunzigerjahre galt die Computermesse in Hannover als die wichtigste Show rund um die Informationstechnologie weltweit. Auch weil hier ALLES gezeigt wurde: Von gigantischen Archivsystemen für Großkonzerne und dazu passende Laserdruckstraßen über Highend-Computer bis zum PC für den Hobbyisten. Später kam die Telekommunikation hinzu, und die Veranstaltung wurde von Amateuren überflutet. Die Zuschauermassen erreichten im Jahr 1995 – in dem Bill Gates persönlich Windows 95 vorstellte – beinahe 750.000, und die ganze Sache wurde für alle Beteiligten unangenehm. Deshalb wurden Preview-Events in München und Hannover für Medienvertreter vorgeschaltet und die Zahl der Besuchstage für Konsumenten erst auf drei, dann auf zwei beschränkt. Und seit 2014 bleibt die CeBIT komplett dem Fachpublikum vorbehalten, was auch dem Trend entspricht: Von 2004 bis 2013 sank die Zahl der Besucher von knapp 500.000 auf rund 200.000.

Ursache dafür: Die großen Hersteller präsentieren ihre Innovationen und neuen Produkte mittlerweile an anderen Orten und zu anderen Zeiten; auf kaum einer Messe werden überhaupt noch Neuigkeiten von mehr als einem Hersteller präsentiert. Dieses Verfahren hat Apple bereits vor vielen Jahren erfunden, hat keinerlei neue Produkte während der CeBIT präsentiert und den Stand seinen Händlern überlassen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die wirklichen News für Konsumenten auch im Jahr extrem dünn gesät sind. Zumal im Mittelpunkt dieser immer noch enorm wichtigen Fachmesse Themen wie „Big Data“ und „Internet der Dinge“ standen. Für Otto Normalverbraucher mögen diese Dinge weniger spannend sein, aber sie werden in kurzer Zeit auch sein Leben bestimmen und teilweise auch zu Consumer-Produkten führen.

Trends rund ums Smartphone

Deshalb sind die Trends auch wichtiger als irgendwelche neuen Gadgets. Auch wenn Apple rund um iPhone 6 und die Apple Watch schon den Fokus darauf gesetzt hat: Dass Fitness und Bezahlen per Apps wichtig werden, stand schon länger fest. Bewegung und Ernährung sind die Erfolgsfaktoren für ein langes, gesundes Leben – die Analyse der Gewohnheiten ist die Basis dafür. Deshalb werden Fitnessarmbänder und Smartwatches mit den entsprechenden Sensoren ab sofort in Hülle und Fülle und sehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen kommen. Weitere Wearables – so heißen elektronische Geräte, die man direkt am Körper trägt – sind überall in Arbeit; vom Internet-Joggingschuh, der seine Daten direkt in die Cloud des Users überträgt, bis zur mit Sensoren bestückten Thigh-Hose, die mit dem Smartphone in Verbindung steht.

Eher ins Internet der Dinge gehören zunehmend mehr Systeme, mit denen sich Geräte jeglicher Art überwachen und steuern lassen. Für Unternehmen interessant werden dezentrale Drucksysteme wie Konica Minolta sie vorgestellt hat, bei der die angeschlossenen Maschinen quasi „selbst“ entscheiden, welcher Drucker für welchen Druckauftrag der geeignetste ist. Dass für den Konsumenten bereits verschiedene Systeme für die Hausüberwachung und die Steuerung von Heizung, Jalousien und Hausgeräten auf dem Markt sind, macht diesen Trend massenkompatibel.

Nicht zu übersehen: Das Ende des Festnetzes ist nah. Die Telekom hat es bereits vorgemacht, andere Anbieter werden folgen. Die gesamte Telekommunikation wird in absehbarer Zeit ip-basiert ablaufen, also quasi „im Internet“. Weil sich viele moderne Festnetztelefone dafür nicht eignen, hat Gigaset passend zur All-IP-Zukunft die Go-BOX vorgestellt. Mit diesem Zusatzteil kann man einfach weiter analog telefonieren, aber bereits alle Vorzüge der All-IP-Netze genießen.

Ein paar interessante Gadgets und Geräte

Bereits auf der CeBIT-Preview in München im Februar führte HANNspree seinen Winz-PC vor, der kaum größer als ein USB-Stick die gesamte Funktionalität eines Durchschnitts-Windows-Rechners bietet. Angeschlossen an einen Bildschirm und per Bluetooth mit Tastatur und Maus verbunden, dient der kaum 38 Gramm schwere Micro PC als vollwertiger Windows-8.1.-Computer, der bereits für um die 200 Euro im Handel zu haben ist.

Vier neue Fritzboxen gab’s bei AVM, wobei das Modell 4080 der mit Abstand schnellste Wlan-Router ist – weil er im brandneuen Standard 802.11ac Wave2 funkt. Theoretisch werden so bis zu 2,5 Gigabit/sec erreicht. In der Praxis dürfte ein mit dem 4080er betriebenes Drahtlosnetz doppelt so schnell sei wie alle seine Vorgänger. Als reiner Router fungiert das kleine und schicke Modell 4020, das an jedem Modem läuf. Beide Geräte werden im Herbst im Handel zu haben sein.

Ob der 3D-Drucker da Vinci junior, der in den USA nur rund 350 US$ kosten soll, die Herstellung dreidimensionaler Gegenstände aus Plastik in der heimischen Wohnstube populär machen wird, darf bezweifelt werden, denn immer noch ist das ganze Prinzip der „Dinge on demand“ im Consumer-Bereich auf der Suche nach dem tatsächlichen Nutzen.

 

Dass der Monitor-Hersteller BenQ mit treVolo den ersten Bluetooth-Lautsprecher nach dem Elektrostatikprinzip zeigte, muss eher als zeitlicher Zufall gewertet werden. Tatsächlich aber gibt es mit diesem Speaker für rund 380 Euro maximale Soundqualität auf kleinstem Raum.

Ansonsten wurden hier und da ein paar neue Apps vorgestellt und bekannte Hardware in leicht optimierten Versionen. Die Sensationen hatten die Hersteller schließlich schon vor Wochen gezeigt: Samsung das S6, Apple das neue MacBook und die Apple Watch.