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CeBIT 2017: Die Zukunft zum Anfassen

Alle paar Jahre passiert es, dass auf der ehemaligen Computermesse CeBIT nicht mehr nur über die Zukunft der Technik fabuliert wird, sondern jeder Interessierte, die technische Zukunft auf dem Hannoveraner Messegelände sehen, hören und auch anfassen kann. Die CeBIT 2017 zählt dazu, denn viele digitale Dinge und Methoden, die bisher nach Science-Fiction klangen, waren da und sahen nach Alltag aus – von vernetzten Autos über fahrerlose Busse bis hin zu nützlichen Drohnen, sinnvollen Robotern und ganz praktischen Anwendungen des „Internet der Dinge“.

Das Auto ist tot, es lebe das Auto

Viele Mobilitätsexperten haben das Auto als individuelles Verkehrsmittel bereits für tot erklärt. Das mag mittelfristig für den Pkw mit Verbrennungsmotor zutreffen, sicherlich aber nicht für das Automobil an sich. Denn die mobile Freiheit, jederzeit von A nach B fahren zu können, ist durch nichts zu ersetzen. Auch wenn im VIP-Service der CeBIT immer noch große Limousinen mit 8-Zylinder-Motoren und Diesel-Busse unterwegs sind – der Trend zur e-Mobilität war nicht zu übersehen.

Gleichzeitig werden Autos immer kommunikativer und intelligenter. Gerade Elektroautos brauchen schlaue Steuersysteme, die nicht nur den Stromverbrauch optimieren, sondern den Fahrer auch ständig über die nächstgelegene Ladestation informieren. Gezeigt wurden aber auch Kraftfahrzeuge, die miteinander kommunizieren und sich z.B. gegenseitig warnen können, wenn sie sich auf Kollisionskurs befinden.

Ein Highlight der Messe aber waren die Ollis, fahrerlose Elektrobusse, die sich in der Schweiz schon seit einem Dreivierteljahr im Normalverkehr bewähren und demnächst auch von der Deutschen Bahn im Testbetrieb eingesetzt werden sollen.

Drohnen machen sich nützlich

Waren im vergangenen Jahr noch Spiel- und Sportdrohnen der Hit der CeBIT, standen dieses Jahr die nützlichen Vertreter der Gattung Multicopter im Mittelpunkt. Die Entwicklung schreitet hier rasant voran. So bietet beispielsweise der TÜV Rheinland inzwischen diverse Dienstleistungen an, bei denen Drohnen eingesetzt werden.

Dabei treten immer stärker spezialisierte Flugkörper an; sogar Senkrechtstarter, Balloon-Copter und helikopter-artige Drohnen waren zu sehen. Ausgerüstet sind solche „Unmanned Air Systems“ – so der brandneue Fachausdruck – längst nicht mehr nur mit Kameras, sondern zunehmend mit Sensoren jeglicher Art und sogar Roboterarmen. Die Experten sind sich einig: Drohnen werden bald überall da Wartungsarbeiten übernehmen, wo es für Menschen zu schwierig und/oder zu gefährlich ist. Deshalb wurden auch erdgebundene Drohnen für die Landwirtschaft vorgestellt sowie Tauchdrohnen für die Unterwasserforschung.

Virtual Reality nicht mehr nur für Spieler

Ähnlich schnell ist auch das Thema „Virtual Reality“ (kurz: VR) vorangekommen. Obwohl sich bei der Technik und bei den Brillen nicht viel getan hat, ist auch hier der Weg in die Ernsthaftigkeit nicht zu übersehen. So hält die 3D-Darstellung zum Hineinschlüpfen massiv Einzug in die Bereiche Konstruktion und Architektur. Ein Ingenieur berichtete, er könne nun virtuell in ein winziges Bauteil hineinklettern, sich darin bewegen und so die konstruktiven Schwachstellen finden und beseitigen.

Wer erinnert sich noch an Google Glass – diesen Flop des Internetgiganten? Damals wurde versprochen, das Ding könne Informationen zum jeweiligen Aufenthaltsort des Trägers einspielen. Das Prinzip nennt man „Augmented Reality“ (AR), also etwa aufgewertete oder ergänzte Wirklichkeit. Die CeBIT 2017 zeigt deutlich, dass AR und VR dringend zusammengehören, weil virtuelle Räume an jeder Ecke und Kante mit Zusatzinformationen ergänzt werden können.

Niedliche kleine Roboter – aber wofür?

Ganz offensichtlich sprechen kleine, rundliche Robotor mit blauen Kugelaugen den menschlichen Brutpflegetrieb an. Wo immer solche Kerlchen zu sehen waren bildeten sich Menschentrauben, und jeder wollte ein Selfie mit dem Robot schießen. Da ging die Frage, wozu ein humanoides Gerät auf Rädern, das gesprochene Sprache spricht und darauf antwortet, im Haushalt nützlich sein soll, meist unter.

Tatsächlich hat es in diesem Zweig der Robotik eigentlich keinen wirklichen Fortschritt gegeben. Zwar sind die meisten Vertreter dieser Art inzwischen deutlich lernfähiger als früher, aber immer noch können sie kaum mehr tun, als auf Fragen mehr oder weniger schlau zu antworten. Das sieht im professionellen Bereich schon ganz anders aus. Entscheidend ist dann, mit welchen Werkzeugen der Robot ausgerüstet ist. Androide mit Armen und Händen, die eine ganze Reihe „manueller“ Tätigkeiten ausführen können, waren zu sehen und vor allem Roboterarme mit Sensoren, die selbstlernend agierten. So konnte einer dieser Maschinenmenschen lernen, mit zwei Bällen zu jonglieren, während ein anderer in der Lage war, aus einer Platte unterschiedlichsten Sushis die vom Esser gewünschten Stücke nach dessen Beschreibung auszusuchen.

Smarthome kommt im Alltag an

Nicht wenige Verbraucher in Deutschland haben sich längst daran gewöhnt, Heizung, Licht, Elektrogeräte, Rollläden und Überwachungskameras per App übers Smartphone zu steuern und zu kontrollieren. Vermutlich würden viel mehr Menschen sich für Smarthome-Anwendungen bekennen, wären die Systeme der Anbieter untereinander kompatibel. Denn dass die Lichter von Philips Hue nicht mit derselben App gesteuert werden können wie das Innogy-System, macht die Sache komplizierter als nötig. Erste Ansätze einer universellen Smarthome-„Sprache“ waren zu sehen. Und sie funktionierten ziemlich gut.

Weil sich viele – vorwiegend asiatische – Hersteller auf das Thema „Internet of Things“ (kurz: IoT) stürzen, werden momentan Smarthome-Geräte schnell preiswerter. So werden smarte Steckdosen demnächst kaum mehr kosten als normale Vertreter der Art. Mehrfachsteckleisten kommen ebenfalls in IoT-Versionen, wobei jede Dose auf der Leiste separat angesteuert werden kann.

Bei den Sensoren sind der Phantasie inzwischen kaum noch Grenzen gesetzt. Per App ansprechbare Sensoren messen Werte wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Luftdruck, Feinstaubbelastung, Helligkeit, Lärm, erkennen Bewegungen, aber auch Gesichter un

Alle paar Jahre passiert es, dass auf der ehemaligen Computermesse CeBIT nicht mehr nur über die Zukunft der Technik fabuliert wird, sondern jeder Interessierte, die technische Zukunft auf dem Hannoveraner Messegelände sehen, hören und auch anfassen kann. Die CeBIT 2017 zählt dazu, denn viele digitale Dinge und Methoden, die bisher nach Science-Fiction klangen, waren da und sahen nach Alltag aus – von vernetzten Autos über fahrerlose Busse bis hin zu nützlichen Drohnen, sinnvollen Robotern und ganz praktischen Anwendungen des „Internet der Dinge“.

 

Fazit

Unter Fachleuten wird seit Jahren über Sinn und Unsinn der CeBIT debattiert. Tatsache ist, dass die wichtigste „Computer“-Messe der Welt längst nichts mehr mit Computern und Programmen zu tun hat. Im Mittelpunkt steht die voranschreitende Digitalisierung aller Wirtschafts- und Lebensbereiche. Die CeBIT 2017 war bestens geeignet, Otto Normalverbraucher ganz menschen- und alltagsnah zu demonstrieren, was diese Digitalisierung konkret für ihn bedeutet und in Zukunft bedeuten wird. Und das war mehr als man erwarten konnte.