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eSIM – Software statt Chipkärtchen

Von Beginn des Handy-Zeitalters an sind wir es gewohnt, vom jeweiligen Telefonprovider ein kleines Chipkärtchen zu bekommen, ohne das auch das beste Gerät nicht zu gebrauchen ist. Die SIM-Karte (= Subscriber Identity Module, also etwa Teilnehmer-Identifikations-Modul) wurde ab 1992 in Deutschland für Handys eingeführt, die im D-Netz nach dem GSM-Standard genutzt werden sollen. Heute sind hierzulande ungefähr 120 Millionen dieser Chipkarten im Gebrauch. Der Vorteil des Konzepts bestand von Anfang an darin, dass man eine solche SIM-Karte problemlos von einem zum anderen Mobilgerät transferieren kann, dass also die Zugangsberechtigung vom Telefon abgelöst ist. Die Karte selbst liegt inzwischen in verschiedenen Formen und Größen vor; der darauf angebrachte Chip ist aber bei Mini- und Micro-SIM technisch völlig identisch.

Der SIM-Ersatz für Wearables

Ein großer Nachteil des Systems ist aber die Größe an sich, denn so eine SIM-Karte ist einfach zu groß für Wearables wie eine Smartwatch. Ja, ultraflache Smartphone könnten noch flacher werden, wenn kein Schacht für das Kärtchen drin sein müsste. Deshalb hat Apple schon im Jahr 2010 das Prinzip der embedded SIM (kurz: eSIM) vorgestellt. Dabei wird ein im Gerät integrierter Chip per Internet mit den Daten gefüttert, die dann den Zugang wie bei der klassischen SIM-Karte erlauben. Das funktioniert deshalb, weil ein solches eSIM von Hause aus eine Zugangsberechtigung für genau einen Dienst besitzt – nämlich den, von dem die SIM-Informationen geholt und freigeschaltet werden. Bei Apple soll und wird das vermutlich über iTunes funktionieren.

Der Verband der GSM-Mobilfunkanbieter hat zugestimmt, sodass der Produktion und Verwendung von eSIMs nichts mehr im Wege steht. Nur ein Problem gibt es. Wie kann der Besitzer die Freischaltung holen, wenn er weder ein Apple-Gerät, noch einen iTunes-Zugang hat? Die Lösung liegt inzwischen auch vor und kann jederzeit implementiert werden. Bei einem Android- oder Windows-Smartphone werden die vom Provider übermittelten Zugangsdaten einfach über die Systemsteuerung eingetragen. Verifiziert werden sie dann durch einen einmaligen Internet-Kontakt mit diesem Provider.

Vodafone schert aus

Apple hat schon vor gut einem Jahr klammheimlich die eSIM-Technologie eingeführt. Als erstes Gerät wurde das iPad Air 2 mit dem integrierten, programmierbaren Chip ausgestattet. Sehr zum Unwillen der Mobilfunkanbieter, denn mit einem integrierten eSIM wird das Wechseln von Provider und Tarif extrem unkompliziert. Beim iPad muss der Anwender nur den Namen des Anbieters aus einem Menü auswählen, einen von diesem Provider gelieferten Code eingeben und – schwupps – ist der Wechsel vollzogen. Und das liegt nicht im Interesse der Mobilfunkgesellschaften, die ja ihre Kunden lieber lange an sich binden wollen.

Deshalb hat dieses Jahr Vodafone der eSIM bereits eine Absage erteilt mit der Begründung, die SIM-Karte sei quasi das Kernstück der Verbindung zwischen Mobilfunkgesellschaft und Kunde. Andere Gesellschaften sind weniger fixiert in ihren Positionen. Und die Hersteller der traditionellen SIM-Karten basteln an Infrastrukturen für das eSIM-System. So sind bereits Lösungen im Test, eine Smartwatch per Systemeinstellung GSM-fähig zu machen. Besonders spannend wird das eSIM-Prinzip aber bei der zukünftigen Kommunikation der Geräte untereinander im „Internet der Dinge“. Hier hat das kartenlose System eindeutig Vorteile, denn wer will schon jedes Smarthome-Gerät mit einer eigenen SIM-Karte ausstatten müssen?