text.skipToContent text.skipToNavigation

MWC 2017: Ein paar neue Smartphones und der kommende Mobilstandard

Es ist wie bei vielen anderen Messen der Elektronik und der Unterhaltungsindustrie: die einen Unternehmen nutzen die Gelegenheit, auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ihre neusten Geräte zu präsentieren, die anderen bleiben ganz weg und hoffen darauf, dass ihnen die Konkurrenz nicht enteilt. Besonders gut haben dieses Jahr Huawei, LG und auch Nokia den Kongress genutzt. Während Nokia die Wiedergeburt feierte, zeigte Huawei mit dem P10 seinen kommenden Spitzenreiter, und LG präsentierte den Nachfolger des glücklosen G5. Auch Sony spielte mit, und Blackberry versuchte noch einmal, im Smartphone-Bereich zu punkten. Spannend, wenn auch langfristig, war aber ein anderes Thema: Die Anforderungen an den Nachfolger des 4G-Standards wurden vorgestellt.

Alles wird schneller und besser: 5G steht vor der Tür

Nicht umsonst steht das „C“ in MWC für „Congress“. Während seit ein paar Jahren Produktneuheiten für Konsumenten die Berichterstattung über die Veranstaltung beherrschen, ging es früher eher um die technischen Themen, vor allem rund um die mobilen Netze. Weil es seit LTE kaum je Neuigkeiten gab, die mehr als nur die Experten interessierten, sind technologische Fragen aus dem Fokus gerückt. Das könnte in diesem Jahr anders werden, weil 5G – zumindest vom Veranstalter – ganz nach vorne gestellt wurde.

Wie das Kürzel schon andeutet, geht es um den nächsten Mobilfunkstandard, also die Ablösung von 4G. Dabei steht das „G“ in beiden Fällen für „Generation“. Den Ausgangspunkt für das, was wir heute als Mobiltelefonie verstehen, war die in den späten 80ern entstandene Liste der 3G-Anforderungen. Sie bildete den Ausgangspunkt für GSM, den ersten Standard für digitalen Mobilfunk. Man erfand 4G, um deutlich zu machen, dass – u.a. durch LTE – der mobile Sprach- und Datenverkehr besser geworden ist. Jetzt kommt 5G…

In Barcelona wurden nun die Anforderungen an den Mobilfunk der fünften Generation bekanntgegeben. Zwei Punkte der Liste lassen aufhorchen: Die künftigen Datenraten sollen sich im Bereich von Gigabits pro Sekunde liegen, also bis zu eintausend Mal schneller als bisher; und die sogenannten Latenzzeiten sollen auf ungefähr eine Tausendstelsekunde gesenkt werden (bisher lagen sie in LTE-Netzen bei ca. 50 ms). Außerdem sollen 5G-Netze in der Lage sein, im „Internet der Dinge“ mehrere Milliarden Geräte schnell und zuverlässig einbinden zu können.

Leider sind der Wunsch nach höheren Datenraten und geringerer Latenz technisch kaum zu vereinbaren. Deshalb schlagen die Experten vor, die 5G-Netze aufzuteilen. So wird es z.B. für selbstfahrende Autos und telemedizinische Zwecke Netze mit hoher Verfügbarkeit und extrem niedrigen Reaktionszeiten geben, während es beim „Internet of Things“ (IoT) vordringlich um Energieeffizienz gehen wird – einer weiteren Anforderung auf der 5G-Liste. Schließlich sollen IoT-Geräte so wenig Strom verbrauchen, dass sie über Jahre ohne Aufladen arbeiten.

Für Smartphone-Nutzer wird 5G vermutlich erst in etlichen Jahren Auswirkungen haben. Und zwar vor allem im Hinblick auf die Geschwindigkeit. Werden die angestrebten Datenraten Wirklichkeit, kann man so einen kompletten Spielfilm in weniger als einer Sekunde auf das mobile Gerät holen. Schneller dürften die Bereiche „Industrie 4.0“ und „Landwirtschaft 4.0“ vom zukünftigen Standard profitieren, weil sich die Kommunikation im jeweiligen IoT zwischen den Maschinen und Robotern drastisch beschleunigen wird.

Nokia: Comeback mit PR-Coup

Es ist ein großer Name in der Handy-Historie, vielleicht sogar der größte. Allerdings hat das, was heute unter dem Namen „Nokia“ mobile Geräte anbietet, mit dem finnischen Konzern nur wenig zu tun. HMD Global wurde als finnische Firma vor einem Jahr gegründet, um die Mobiltelefonsparte von Microsoft zu übernehmen und so auch an die Markenrechte zu gelangen. Ja, jetzt ist es sicher: Es wird keine weiteren Lumia-Geräte von Microsoft mehr geben. Vielleicht wird es auch nie wieder Smartphones mit Windows geben… Dafür tritt HMD Global jetzt mit Nokia-Smartphone mit Android an.

Eingeleitet wurde die Premiere mit einem geschickten PR-Schachzug. Schon vor Wochen lancierte man Gerüchte, es werde wieder „richtige Handys“ von Nokia geben, ja, sogar eine moderne Version des legendären 3310. Tatsächlich wird es dieses Urvieh geben – mit Tasten, ohne Touchdisplay, in vier Farben und für rund 40 Euro. Wer jetzt in Nostalgie erschauert, sollte sich dessen bewusst sein, dass man mit diesem Handy nur telefonieren und simsen kann – Internet? Fehlanzeige.

Interessanter aber die Präsentation der ersten Nokia-Android-Reihe bestehend aus den Modellen 6, 5 und 3. Alles in allem handelt es sich um Mitteklasse-Smartphones, die auf die Teilnahme am üblichen Feature-Rennen vollkommen verzichten. Das Besondere aber: Sobald sie im Handel verfügbar sind, werden die Nokia-Geräte gleich mit Android 7 starten; sogar der Google-Assistant wird sofort mit an Bord sein. Nokia verspricht, dass seine Smartphones immer mit den neuesten Android-Versionen versorgt werden, sobald diese von Google verteilt werden.

Ansonsten sieht das Spitzenmodell Nokia 6 schick aus, scheint besonders widerstandsfähig zu sein und hat für seine Preisklasse (um 250 Euro) ein sehr gutes Display. Dafür spielen Prozessor und Akku eher in der zweiten Liga.

Blackberry: Touch-Display und extra Tasten

Ab April soll man es kaufen können, rund 600 Euro wird es kosten: das Blackberry KEYone. Dieses Smartphone hat tatsächlich eine physische Tastatur! Genau wie die alten Blackberrys. Damit zielt dieser nächste Versuch des Unternehmens, im Markt der Android-Smartphones erfolgreich zu sein, ganz klar auf die gar nicht so kleine Gemeinde der Blackberry-Junkies, aber auch auf die vielen Menschen, die mit einer Soft-Tastatur auf dem Display nicht gut klarkommen. Der besondere Clou der Tastatur: Man kann sie als Touchpad nutzen und so den Cursorpfeil auf dem Display steuern.

Im Vergleich zu den ersten Android-Versuchen der Marke ist das KEYone deutlich dichter an den Standards für Display, Gehäuse, Akku und vor allem Kamera. Ob das reicht, auch Kunden zu überzeugen, die kein Vorleben in der Blackberry-Welt haben, ist offen.

Huawei: Apple und Samsung schon geschlagen?

Wie gesagt: Die einen können MWC, die anderen nicht. Apple stellt neue Geräte bekanntlich nie im Rahmen von fremden Messen und Kongressen vor, also gab es kein iPhone 8 in Barcelona. Und Samsung kämpft nach dem Galaxy-Note-7-Debakel vor allem mit sich selbst. Vielleicht war es eine kluge Entscheidung, sich mit der Präsentation der nächsten Smartphone-Generation Zeit zu lassen. Stattdessen aber mit einer Palette neuer Tablet-PCs und einem Surface-Book-Klone anzutreten, erschien nicht so überzeugend.

Vor allem angesichts der grandiosen Präsentation von P10 und P10plus durch das chinesische Unternehmen Huawei. Die neuen Modelle knüpfen nahtlos an alles an, was schon an der P9-Serie zu überzeugen wusste und bringt Huawei endgültig die Liga der Premium-Smartphones. Ja, möglicherweise hat man bei der MWC 2017 sogar die Führung im ewigen Wettlauf um das schnellste, schönste und tollste Smartphone erobert. Denn mehr als das, was man in die P10er eingebaut hat, haben Apple und Samsung auch nicht auf Lager.

Sowohl das P10, als auch das P10plus werden direkt nach dem MWC in Deutschland verfügbar sein und rund 600 bzw. 750 Euro kosten.

LG G6: Ergonomie hat Vorfahrt

Mit dem LG G5 war die koreanische Smartphone-Schmiede vor gar nicht langer Zeit ganz weit vorn dran. Modularität hieß das Zauberwort, und selbst die üblichen Auguren waren der Meinung, das sei das Konzept der Zukunft: Der Konsument kauft das Basisgerät und dockt entsprechend seiner persönlichen Bedürfnisse Module für unterschiedliche Zwecke an. Für besonders erfolgversprechend hielten die LG-Leute und einige Experten die Möglichkeit, unterschiedliche Kameramodule für unterschiedliche hohe Ansprüche anzubieten. Allein der Konsument wusste das Konzept nicht zu schätzen und ließ das G5 weitgehend links liegen.

Das hätte in Zeiten, in denen immer mehr Smartphone-Nutzer treu zu ihrer Marke stehen, zum Desaster für LG werden können. Aber die Verantwortlichen reagierten schnell und, voilà, das in Barcelona offiziell vorgestellte G6 erfüllt nun tatsächlich die Wünsche der LG-Fans. Das vor allem, weil die Entwickler ganz auf Ergonomie setzen. Deshalb glänzt das neue Flaggschiff auch nicht mit hypermodernem Design und Superpower, sondern bewegt sich von den reinen Leistungsdaten her da, wo LG-Smartphones immer schon reagieren: im oberen Tabellendrittel.

So bekommt man ein großes 5,7-Zoll-Display in einem ganz engen und wasserdichten Gehäuse im unaufgeregten Stil. Schon ab Mitte April soll man es hierzulande für rund 750 Euro bekommen. Wie es die Mode der Saison für Spitzengeräte vorschreibt, ist auch die Rückseite aus Glas. Besonders verblüffend: Das Display in UHD+-Auflösung zeigt die Inhalte im völlig ungewöhnlichen Seitenverhältnis 18:9. Das macht die Multi-Window-Eigenschaft der neuen Android-Version gut nutzbar, weil beim Teilen zwei gleich große Quadrate entstehen.

Sony: Dem eigenen Stil treu bleiben

Was LG mit dem G6 wiederentdeckt, praktiziert Sony schon lange. Die Smartphones haben einen eigenen, unverwechselbaren Stil. Und so sind auch das XZs und das XZ Premium Geräte mit den typischen scharfen Kanten. Während beim XZs eigentlich nur die noch einmal verbesserte Kamera zu erwähnen ist, macht das andere große XZ seinem Namen alle Ehre: es gehört eindeutig in die Premiumklasse. Dementsprechend kostet es auch um die 800 Euro, ab der Verfügbarkeit im Sommer.

Der König im Gespann ist das Display – es kommt mit der Sony-eigenen HDR-Technologie, kann also 4K-Inhalte in der Qualität der Spitzenfernseher aus demselben Hause zeigen. Und weil bei Sonys neuem Premium-Modell der Genuss von Videos und Filmen ein zentrales Anliegen zu sein scheint, ist auch die Tonqualität überragend.