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WMC 2015: Produkte, Trends und Innovationen

Der World Mobile Congress, der seit 1987 im März in Barcelona stattfindet, hat sich in den vergangenen zwölf Jahren zur größten und wichtigsten Veranstaltung rund um die Telekommunikation entwickelt. Das ist nur auf den ersten Blick verwunderlich, denn man würde ein solches Event eher in den USA oder in Asien vermuten. Aber ursprünglich drehte sich alles um GSM und das Handy, und in dieser Disziplin war Europa mit Nokia, Siemens und Ericsson ja lange führend.

Inzwischen beherrschen US-amerikanische, koreanische, chinesische und teilweise auch japanische Unternehmen den Markt. Und die nutzen den WMC gern zur Präsentation neuer Geräte. Der eigentliche Kongress, der auch den Hauptteil der ganzen Sache bildet, beginnt jeweils am Montag. Am Sonntag aber stellen die großen Hersteller gern ihre Neuheiten vor – ausgenommen Apple. Die iPhone-Company hält sich fern und überlässt den Konkurrenten den Platz. Allen voran natürlich Samsung. Der koreanische Gigant hatte die interessierte Weltöffentlichkeit über Wochen auf diesen Tag vorbereitet, bewusst Gerüchte und Fotos gestreut und so eine Methode kopiert, in der Apple sonst brilliert.

Galaxy S6: Das Highlight des WMC

Aber das Ergebnis war es wert. Zumindest den Spezifikationen nach sind das Galaxy S6 und S6 Edge die besten Smartphone, die bisher je angeboten wurden. Wobei Samsung sich die iPhone-6-Modelle sehr genau angeschaut und versucht hat, deren Werte Punkt für Punkt zu übertreffen. Die neuen Galaxy-Phones treten nun in einem wunderhübschen Alu-Gehäuse in irisierenden Farben an und schützen das Display mit nahezu unzerstörbarem Gorilla 4 Glas. Die 5,7-Zoll-Anzeige kann Quad-HD und weist die größte Pixeldichte auf, die je in einem LED zu sehen war.

Sowohl Front- als auch Back-Kamera sind extrem lichtstark, verfügen über optische Bildstabilisierung und eine HDR-Automatik. Der Akku ist (leider) fest verbaut, lässt sich dafür aber in zehn Minuten auf eine Kapazität von vier Stunden Nutzung aufladen; und zwar auch drahtlos. Samsung verwendet dabei den Standard, den auch IKEA unterstützt, und setzt darauf, dass sich – ähnliche wie freies WLan – an öffentlichen Orten auch freies, drahtloses Aufladen verbreiten wird. Der neue Prozessor aus eigener Entwicklung und andere Baugruppen sind auf maximales Stromsparen ausgelegt – mit einer Akkuladung sollen bis zu 49 Stunden Musikhören mit dem S6 möglich sein.

Eine neue Ära der VR-Brillen

Bei einem anderen Thema laufen zwei Hersteller plötzlich und unerwartet einem Trend hinterher, den Microsoft im Umfeld der Windows-10-Vorstellung neu befeuert hat. Genau wie die Company, die Nokia übernommen hat, bieten HTC und Samsung demnächst Virtual-Reality-Brillen an, die nun „VR-Headset“ oder einfach „VR Gear“ heißen. Ob Geräte dieser Art so auch für Konsumenten attraktiv werden, bleibt fraglich.

Da sieht es bei den Smartwatches schon anders aus. Während die üblichen Apple-Jünger auf die iWatch warten, sammeln viele Normalverbraucher mit den Geräten von Sony, Pebbles, LG und Samsung erste Erfahrungen. Mit Huawei hat sich ein weiterer Anbieter hinzugesellt, der vor allem mit vielfältigen Designs von Gehäuse und Armband glänzt. Außerdem ist das Gehäuse aus Edelstahl und mit einem extrem harten Saphirglas versehen. Rund ist die einfach „Watch“ genannt Uhr – genau wie das Erfolgsmodell LG G-Watch R und die Motorola 360. Wirklich innovativ wird LG nun aber mit der „Watch Urban LTE“, die auch ohne Smartphone als Mutterschiff autark nutzbar ist. Konkret: Mit dieser Smartwatch kann man einfach so telefonieren.

Der reale Boom der Handgelenkmaschinen wird aber von den Fitness-Armbändern beherrscht, die sich ungeheurer Popularität erfreuen. Da wollte HTC nicht abseits stehen und hat ein solches Ding namens „Grip“ vorgestellt, das über einen ergonomisch gebogenes Display verfügt. Nett auch das Doppelangebot von Huawei unter dem Namen „Talkband“. Die Variante B2 ist ein veritabler Fitnesstracker mit allem Zick und Zack; als N1 wird dagegen ein Bluetooth-Headset angeboten.

Microsoft schwimmt gegen den Mainstream

Die Strategie des Softwareriesen nach der Nokia-Übernahme scheint klar: Man will nicht als Hardware-Innovator glänzen, sondern als großer Vereinheitlicher. Die Gegner heißen eben nicht Samsung, LG oder Huawei – es geht vor allem gegen Google und damit gegen Android. So nimmt es nicht weiter wunder, dass „nur“ ein Lumia 640 vorgestellt wurde, ein Mittelklasse-Smartphone für um die 150 Euro. Betont wurde nur, dass dieses neue Gerät – wie alle zukünftigen Lumias – für den Gebrauch von Windows 10 optimiert wurde. Immerhin wurde auch das 640 XL vorgestellt, das einen 5,7-Zoll-Bildschirm hat, aber immer noch unter 200 Euro kosten soll. Am interessantesten war dann der kurze Blick auf den neuen Internetbrowser „Spartan“, der integrierter Bestandteil von Windows 10 wird. Der ist sehr schlank, sehr Smartphone- und Tablet-gerecht und sieht gut aus.

Während Microsoft also im Kleinen blieb, drehte Google das ganz große Rad. Erneut wurde von Plänen erzählt, eine eigene Telekommunikationsinfrastruktur aufzubauen, speziell für unterversorgte Weltregionen. Die Sender könnten wahlweise in Stratosphären-Ballons oder hochfliegenden, solarbetriebenen Drohnen sitzen. Das hört sich zunächst nach Science Fiction an, durfte aber so manchem Provider schlaflose Nächte bereiten.

Ganz praxisnah dagegen die Ankündigung von Google Pay, einem Bezahlsystem, das Apple Pay angreift. Apropos: Auch Samsung hat ein eigenes Pay-System vorgestellt, das vor allem darauf setzt, mit einem Samsung-Smartphone immer und überall zahlen zu können, sogar wenn der Händler nur ein altes Kreditkarten-Terminal besitzt: Das S6 kann für diesen Fall sogar den Magnetstreifen einer Karte simulieren.

Die Megatrends – Telekommunikation in den armen Ländern

Das war’s dann auch schon mit den Dingen, die Otto Normalverbraucher interessieren könnten. Der eigentliche Kongress – mit Mark Zuckerberg als Keynote-Sprecher – begann erst nach diesen Präsentationen und hatte ein überragendes Thema: Wie kann man die unterversorgten Länder, allen voran Indien, Indonesien, aber auch den afrikanischen Kontinent in die globale Telekommunikation einbinden. Und nach den ersten Vorträgen und Podiumsdiskussionen wurde klar: So realitätsfern sind Google Projekte „Loon“ (Ballons) und „Titan“ (Drohnen) dann doch wieder nicht.