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Neues Android von Google

Google bringt neues Android und viel Künstliche Intelligenz

Auch wenn sich die jährliche Google-Konferenz namens „I/O“ (= Input / Output) hauptsächlich an Entwickler
und Ingenieure wendet, wird sie inzwischen auch von engagierten Nutzern der diversen Google-Dienste und –Produkte mit großem Interesse verfolgt. Und wo Apple und Microsoft mit knalligen Präsentationen versuchen,
die Zuschauer zu packen, da überzeugt Google mit Konzepten und Fakten. Wer also in diesem Jahr mit einem Haufen neuer Nexus-Geräte, diversen Apps und vor allem Android-Neuigkeiten gerechnet hat, könnte enttäuscht sein.

Android N – ein großer Schritt für Google, ein kleiner für die Menschheit?

Die Zeiten, in denen Smartphone-User händeringend auf Android-Updates gewartet haben, sind seit einiger Zeit vorbei. Je nach der vorhandenen Hardware und den Verträgen mit Google bieten manche Hersteller immer noch 4-Versionen oder 5-Varianten, die weit über ein Jahr alt sind. Das ist nicht weiter schlimm, will man sein Smartphone einfach nur zum Telefonieren und Surfen verwenden. Nur wer fortgeschrittene Dinge mit dem Device tun will, ist auf die jeweils neue Android-Version angewiesen – Nutzer von Smartwatches, die per Google Wear angesteuert werden, wissen, was das heißt.

Ob die für den Herbst angekündigte Version tatsächlich Android 7 heißen wird, ist ungewiss, auf jeden Fall wird sie den Namen einer Süßspeise tragen, der mit „N“ beginnt. Das hat ja bei den Codenamen für das Google-Betriebssystem Tradition. Drei wichtige Neuerungen wird dieses System bringen: Extremste Stromspartechniken, echte Multiwindow-Multitasking und Android Wear 2.0. Zunächst wird Android N den google-eigenen Geräten der Nexus- und Pixel-Baureihen vorbehalten bleiben. Mit einem Tiefschlafmodus sorgt das System dafür, dass wirklich auch das kleinste Fitzelchen Programm ruht, wenn es nicht gebraucht wird – eine Verlängerung der Akku-Standzeit auf das Doppelte liegt im Bereich des Möglichen.

Sinnvolles Feature: Mehrere Windows gleichzeitig auf dem Display

Nutzer von Samsung- und LG-Phones kennen es schon: Auf dem Display können zwei (oder sogar mehr) Fenster für verschiedene, gerade aktive Apps angezeigt werden. Diese Fähigkeit wird in Android N vollständig integriert sein. Und weil das so ist, erscheinen Benachrichtigen grundsätzlich in einem autonomen Overlay-Fenster und können dort direkt beantwortet werden, ohne dass zur zugehörigen App umgeschaltet werden muss. Etliche App-Entwickler experimentieren bereits mit diesem Feature, um es auch innerhalb von Apps zu nutzen.

Für Smartwatch-Nutzer hält Android Wear 2.0 – neben einigen eher unscheinbaren Verbesserungen – ein paar echte Schmankerl parat. So kann in Zukunft JEDES Ziffernblatt vom Anwender selbst konfiguriert werden. Auf diese Weise können Widgets für den Schrittzähler oder die Navigation in das Lieblings-Watchface eingebaut werden. Überhaupt: Für beinahe jede App gibt es nun ein Widget; ein Tap darauf führt sofort zur zugehörigen Anwendung. Ob ein virtuelles Keyboard auf der Uhr wirklich nützlich ist, wird sich in der Praxis zeigen. Die Optimierung der Fitness-Funktionen ist auf jeden Fall wertvoll.

Überraschung: Der Google-Messenger namens „Allo“

Damit hat niemand gerechnet: Google präsentiert eine voll funktionsfähige Version von Allo, dem Messenger, der Whatsapp und dem Facebook-Messenger die Hölle heiß machen soll. Und tatsächlich hat er das Zeug dazu. Die Benutzeroberfläche ist extrem elegant, die Funktionen sauber ausgeführt und vernünftig erreichbar und der vollkommen integrierte Google-Assistant erlaubt die vollständige Sprachsteuerung. Ist Allo aufgerufen, kann man ihm sagen, er solle diesem oder jenem Freund eine Nachricht schreiben, man käme ein bisschen später. Das ist alles; kein Tippen, kein Kontakt auswählen, nichts davon…

Als Zusatzfunktion kommt „Duo“, eine App für echte Videotelefonie über Allo. Selbstverständlich ist auch diese App durchgängig per natürliche Sprache steuerbar. Hier profitiert man von den langjährigen Erfahrungen mit Hangouts, dem Google+-Videokonferenz-Tool.

Ein bisschen Virtual Reality (VR), ganz viel Künstliche Intelligenz

Wie etliche andere Entwickler und Hardware-Anbieter doktert auch Google am Thema „Virtual Reality“ herum. Die Erfahrung der letzten Monate zeigt, dass trotz aller Bemühungen VR fast ausschließlich in der Szene der Gamer positiv aufgenommen wird. Auch die neue Ankündigung einer VR-Brille mit den Fähigkeiten einer Oculus Rift zum Preis einer VR Gear blieb im Ungefähren.

Im Gegensatz dazu ist ein Ding namens „Google Home“ jetzt schon echte Realität. Auf einfachster Ebene handelt es sich um einen Wifi-Lautsprecher. Aber ähnlich wie „Amazon Echo“ ist ein Google Home nicht bloß Sender, sondern auch Empfänger. Und zwar einer, der immer auf Stand-by ist und ständig lauscht, ob einer der im Raum anwesenden Menschen etwas von ihm will. Denn integriert ist eine Sparsteuerung à la Google Assistant, die natürlich Sprache entschlüsseln und in Aktionen umsetzen kann. Die simple Frage „Wie spät ist es?“ beantwortet das Ding mit der korrekten Uhrzeit. Im Prinzip kann Google Home alle Fragen beantworten, die auch nach einem „OK Google“ dem Android-Smartphone gestellt werden können. Es ist sogar möglich, dem Ding längere Texte zu diktieren, die es dann in ein Dokument umsetzt und speichert. Hat man IP-Module an der Heizung und/oder an den Lichtschalter, kann Google Home auf gesprochenen Befehl hin die Lampen einschalten oder die Temperatur im Raum erhöhen oder vermindern.

Das hat bereits eine Menge mit Künstlicher Intelligenz zu tun, ist aber erst der Anfang. In aller Stille hat Google einen Chip entwickelt, der TPU genannt wird und Basis für selbstlernende Systeme sein wird. Jedes Gerät, das mit einer TPU aufgerüstet wird, ist dann in der Lage, nicht nur gesprochene Sprache zu verstehen, sondern nach und nach zu lernen, was der Nutzer zu bestimmten Zeiten unter gewissen allgemeinen und speziellen Umständen wissen oder erledigt haben will. Einen ganz kleinen Vorgeschmack liefert jetzt schon der Google Assistant, der einem ungefragt mitteilt, wie lange der Weg zu einem bestimmten Zielort ist, ohne dass man explizit danach gefragt hat – er weiß einfach, dass man an bestimmten Wochentagen oder bei bestimmtem Wetter oft genau dorthin fährt…

Für technikbegeisterte Leute sind das fantastische Aussichten. Datenschutzbewusste Menschen werden sich dagegen vielleicht ein bisschen davor gruseln, dass eine Maschine demnächst weiß, was man will, ohne dass man ihr dies mitgeteilt hat. So wie man Google kennt, wird der Fortschritt in dieser Richtung ohnehin in kleinen, eher unscheinbaren Schritten passieren.