text.skipToContent text.skipToNavigation

Spiegelreflexkameras: Für jeden ist etwas dabei

Eigentlich ist die digitale Spiegelreflexkamera (DSLR = digital single lens reflex) ein Relikt aus der Glanzzeit der analogen Fotografie. Zwar wurde das Prinzip schon im neunzehnten Jahrhundert erdacht, und die erste Kleinbildkamera dieser Bauart erschien um 1939, aber erst ab den fünfziger Jahren wurden SLRs zur ernsthaften Konkurrenz für Sucherkameras. Dann brachten Mitte der Sechzigerjahre japanische Hersteller wie Nikon, Minolta, Pentax und Canon preiswerte Spiegelreflexkameras auf dem Markt, die auch für den Fotoamateur erschwinglich waren. Diese Modelle prägten das Grundmuster aller SLRs bis auf den heutigen Tag. Die Idee war und ist: Der Fotograf sieht im Sucher bzw. auf dem Monitor genau das, was später auf dem Foto zu sehen sein wird, weil ein Spiegel während der Einstellphase das durch das Objektiv kommende Bild in den Sucher bzw. Monitor projiziert. Beim Auslösen klappt der Spiegel hoch, und das eintreffende Licht fällt auf den Film bzw. den Bildsensor.

 

Diese Mechanik wäre bei einem digitalen Fotoapparat eigentlich nicht nötig, denn das, was das Objektiv sieht, könnte ja auch so auf dem Monitor oder im Sucher erscheinen. Weil das so ist, geht der Trend momentan eindeutig in Richtung spiegellose Systemkameras. Die sehen aus wie ihre analogen Spiegelbrüder, haben aber eben keine bewegten Teile im Inneren. Experten sprechen deshalb seit einer Weile bei Apparaten, die wie klassische Spiegelreflexkameras aussehen, durchgehend von SLRs. Der Oberbegriff lautet dann „Systemkameras“, was die Tatsache bezeichnet, dass die Objektive austauschbar sind. Das gilt auch für sogenannte „Bridgekameras“, die quasi die Brücke zwischen SLRs und Kompaktkameras bilden: Sie haben meist ein kompaktes Gehäuse – ähnlich wie klassische Sucherkameras der analogen Ära – können aber mit austauschbaren Optiken bestückt werden.

 

Bleiben wir aber bei den SLRs, die inzwischen nicht nur fast alle Einsatzgebiete der Fotografie abdecken, sondern sich innerhalb einer extrem breiten Preisspanne bewegen. Die beginnt für eine Kamera samt einfachem Zoomobjektiv bei um die 350 Euro und reicht bis weit in den Bereich oberhalb von 5.000 Euro. Wird eine SLR mitsamt Optik angeboten, wird dieses Paket meist „Kit“ genannt; die mitgelieferte Optik heißt dann in der Regel „Kit-Objektiv“. Was aber macht diese gewaltigen Preisunterschiede aus? Kriterium Nummer Eins ist die Größe des verbauten Bildsensors. Während bei den Kompaktkameras teilweise kaum fíngernagelgroße CCDs eingesetzt werden, gibt es SLRs ausschließlich mit Sensoren in den Formaten APS-C und FX; wobei letzteres auch „Vollformat“ genannt wird. Dies entspricht am ehesten dem klassischen Kleinbildformat aus den Zeiten des Fotofilms. Grundsätzlich sind Kameras mit Vollformatsensoren spürbar teurer als solche mit APS-C-Komponenten.

 

Auch wenn lange Jahre eine Megapixel-Schlacht unter den Herstellern tobte: Entscheidend für die grundsätzliche Bildqualität ist die Sensorgröße; also machen SLRs mit Vollformatsensoren bessere Fotos als die mit APS-C-Sensoren. Nachdem einige Hersteller FX-Sensoren mit einer Auflösung von bis 48 Megapixeln auf den Markt gebracht haben, setzt – zumindest in Amateurkreisen – ein Umdenken ein. Denn die Erfahrung zeigt, dass ein FX-Sensor mit beispielsweise 16 Megapixeln eine deutlich bessere Qualität liefert, als ein APS-C-Teil mit 24 Megapixeln. Die gute Nachrichte: Für den Anwender, der seine Fotos hauptsächlich am Bildschirm vorführt oder höchstens mal einen DIN-A3-Ausdruck anfertigen lässt, sind ALLE SLRs gut genug. Zumal die gesamte Elektronik der internen Bildverarbeitung eine entscheidende Rolle spielt. Die ist durchweg herstellerspezifisch, sodass Kenner an den unbearbeiteten Fotos erkennen können, welche Marke die verwendete SLR hatte. Hier hat sich ein gutes halbes Dutzend Hersteller an die Spitze gesetzt: Sony, Canon, Nikon, Fujifilm, Pentax, Olympus und Panasonic; Außenseiter sind hier Leica und Sigma.

 

Bleibt als weiteres Auswahlkriterium vor allem die Bedienbarkeit, also das gesamt „User Interface“, das aus allen Einstellelementen besteht. Die entscheidende Frage ist, ob und was ohne Griff ins Menü auf dem Monitor geregelt werden kann. Dies ist bei allen SLR-Kameras natürlich die Brennweite am Zoom, aber oft auch die Regelung der Schärfe – wenn der Autofokus absichtlich deaktiviert wurde. Außerdem haben alle diese Kameras Wahlräder für die Bildprogramme. Der Trend geht aber zunehmend dahin, die klassischen Funktionen aus dem Analogbereich über Wahlräder und Schalter einstellbar zu machen; also Verschlusszeit und Blende sowie Belichtungskorrektur. Verfügt ein Apparat über diese Elemente, kann er – wie früher – mit dem Auge am Sucher in der einen Hand ruhend mit der anderen bedient werden. Profi-SLRs funktionieren samt und sonders so.

 

So gesehen zerfällt das gesamte Angebot an Spiegelreflex- und spiegellosen Systemkameras in drei Segmente. Wer vorwiegend und unter allen Lichtverhältnissen knipsen will, ist mit einer SLR samt Kit-Objektiv von einem der genannt Hersteller für bis zu 600 Euro bestens bedient. Berufsfotografen, Fotokünstler und Bildberichterstatter müssen für ein vernünftiges Modell allein für den Body ohne Objektive mindestens 2000 Euro rechnen. Dazwischen liegt dann das Angebot für den mehr oder weniger ambitionierten Hobbyfotografen. Wobei zum Preis für das Kit (Body plus Standardzoom) noch gut und gerne 1.000 Euro für mindestens ein weiteres Objektiv sowie Filter, Tasche, Stativ etc. addiert werden müssen. Das zweite Objektiv wird entweder eine besonders lichtstarke Festbrennweitenoptik (für gute Fotos bei minimalem Licht), ein qualitativ hochwertiges Weitwinkelobjektiv (für Landschaftsaufnahmen) oder ein starkes Telezoom (z.B. für Sportfotos) sein.

 

Übrigens: Wem SLRs zu voluminös sind, der sollte sich einerseits Spiegellose im Retro-Design wie die Fujifilm EX2 anschauen oder die preiswerten und handlichen Bridgekameras für unter 300 Euro in die engere Wahl ziehen. Gerade letztere bieten gegenüber Kompaktkameras einige Vorteile, passen allerdings meist nicht in die Jackentasche.